Erstes Elektro-Auto der Welt nachgebaut

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Elektroauto: Erstes Modell von 1881 nachgebaut (Foto: Stiftung Autovision)
25.11.2011

Die Stiftung Museum Autovision präsentiert den Nachbau eines Gefährts, das älter ist als der erste Motorwagen und schon damals mit E-Antrieb bewegt wurde.

130 Jahre nach seiner erstmaligen Vorstellung ist das erste Elektromobil der Welt wieder "on the road". Das von William Ayrton und John Perry entwickelte Gefährt aus dem Jahre 1881 wurde von der Stiftung Museum Autovision in Altlußheim originalgetreu nachgebaut.

Detailgetreuer Nachbau

Eine Geschwindigkeit von 14 Stundenkilometern und eine Reichweite von rund 40 Kilometern - bereits das mit Bleibatterie betriebene Vorbild aus der Frühzeit des Individualverkehrs glänzt mit eindrucksvollen Daten. Die Verwendung eines modernen Elektromotors mit einem halben Kilowatt bzw. einem Dreiviertel-PS macht den Nachbau freilich nicht nur leichter, sondern auch leistungsfähiger. Er ist mit bis zu 18 Stundenkilometern unterwegs und erreicht einen noch größeren Radius. Auch Komponenten wie die einst verwendeten Volt- und Amperemeter wurden praktisch umgesetzt.

Im Ausstellungsraum direkt nebenan steht ein gut erhaltenes Dreirad der Marke "Starley" aus dem Jahre 1880, das einst im englischen Coventry hergestellt wurde. "Wir haben es einem Dresdner Fahrradverein abgekauft und wollten damit das Elektrofahrzeug von Ayrton und Perry nachbauen. Es handelt sich jedoch um das letzte bekannte erhaltene Exemplar, also haben wir nach Einwänden von Historikern beschlossen, es zu kopieren", erzählt Stiftungsvorstand Horst Schultz im pressetext-Interview. Tricycles aus England zuzukaufen, diese umzubauen und zu motorisieren, war damals eine gewöhnliche Vorgangsweise.

"Wir wollen zeigen, dass die Elektromobilität auch eine Vergangenheit hat und der motorisierte Personenverkehr in der Fahrradtechnik wurzelt", erklärt Schultz. Das elektrische Fahrzeug ist sogar älter als der erste von Carl Benz patentierte Motorwagen, dessen erste Probefahrt anno 1886 durchgeführt wurde.

Ölpreis stoppte Siegeszug

"Aus dem Projekt können wir lernen, dass sich alles wiederholt. Zur Jahrhundertwende lag der Anteil an Elektrofahrzeugen bei 38 Prozent, Verbrennungsmotoren hielten im Vergleich bei 22 Prozent. Vor allem der billige Ölpreis, die steigende Überlegenheit der Motoren in Sachen Geschwindigkeit und Reichweite und letztlich auch der elektrische Zünder drängten die stromgetriebenen Vehikel immer mehr zurück. Ein erstes Aufflackern gab es erst wieder im Rahmen der Ölkrise ab 1971", weiß Projektleiter Schultz. Damals stieg der Preis pro Barrel an der New York Mercantile Exchange binnen drei Jahren um mehr als das Dreifache.

Die Stiftung Museum Autovision beschäftigt sich seit zehn Jahren mit der Vergangenheit der Elektromobilität, ihr Nachbau des ersten E-Autos kann in der entsprechenden Themenausstellung besichtigt werden.

(pte/pb)



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